Corona

18.07.2020

Equal Care – Manifest, die Kurzfassung

Die professionelle, meist unterbezahlte Sorgearbeit (‚Care‘) also alle Arbeit rund um Pflege, Erziehung, Fürsorge und Haushalt wird überwiegend von Frauen geleistet (In Deutschland zu über 80%, weltweit zu zwei Dritteln). Die Arbeitsbedingungen und Löhne entsprechen dabei in keiner Weise den hohen Anforderungen, der Belastung und Verantwortung, die hier täglich erbracht werden. Ein Grund dafür ist die im internationalen Vergleich schlechte Personalbemessung bei den Pflegekräften und Hebammen in Deutschland und der andauernde Versuch, den Fachkräftemangel durch Ökonomisierung, weitere Sparmaßnahmen und durch Personal aus dem Ausland auszugleichen, sei es in öffentlichen Einrichtungen oder in der häuslichen Pflege und Betreuung.

Auch die private, unbezahlte Sorgearbeit, also die täglich anfallenden Arbeiten rund um Haushalt, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen etc. wird überwiegend von Frauen geleistet. Im Alter von 34 Jahren übernehmen Frauen mehr als doppelt soviel (110,6%) Care-Arbeit als Männer. Inbegriffen sind hier alle Arbeiten um den privaten Haushalt, also auch die Steuererklärung, Autoreparatur und Gartenarbeit, nicht mitbedacht sind dagegen Verantwortung, Wissen und Organisation (sog. ‚Mental Load‘).

Insgesamt arbeiten Frauen in Deutschland im Durchschnitt eine Stunde länger pro Tag als Männer. Da Frauen nicht nur mehr unbezahlte Sorgearbeit übernehmen und Care-Berufe mehrheitlich eher schlecht bezahlt sind, verdienen sie weniger, haben folglich geringere Rentenansprüche und insgesamt weniger Vermögen. Dadurch haben sie weniger frei verfügbare Zeit für die eigene Aus- und Fortbildung, für Netzwerke, für gesellschaftliche Teilhabe und politisches Engagement, und deshalb auch weniger Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse.

Die unfaire Verteilung und systematische Abwertung von Care-Arbeit vertieft die bestehende globale Ungleichheit zwischen arm und reich. Und die Coronavirus-Pandemie hat diese grundsätzliche Schieflage überdeutlich werden lassen, hierzulande und weltweit. Sie hat schmerzhaft spürbar gemacht, dass wir alle von der Geburt bis ans Sterbebett abhängig sind von der Care-Arbeit anderer, dass diese Arbeit unfair verteilt ist, und dass Care-Berufe nicht ihrer Systemrelevanz entsprechend honoriert werden: Je wichtiger eine Tätigkeit ist für die Gesellschaft, desto schlechter wird sie bezahlt.

Care- und Klimakrise sowie die aktuellen Erfahrungen der Coronavirus-Pandemie müssen deshalb Anlass sein, das heutige Wirtschaftsmodell gründlich zu überdenken und nachhaltig zu verändern! Um den Kreislauf zu durchbrechen aus unfairer Verteilung, mangelnder Wertschätzung, schlechter Bezahlung und fehlendem Ausgleich haben wir das Equal Care Manifest geschrieben, das die folgenden 18 Forderungen und Lösungsvorschläge enthält.

Ausführliche Informationen finden Sie hier.

 

 

 30. Juni 2020

Wir alle erleben seit einigen Monaten Einschränkungen unseres täglichen Lebens wegen der Corona-Pandemie. Viele haben Angst um ihre eigene Gesundheit, viele haben Angst um ihre Angehörigen.
Wir alle wissen nicht, wie es wirklich weitergeht:
Ob es einen Impfstoff geben wird, ob der Arbeitsplatz nach der Krise noch da ist,
ob das Einzelhandelsgeschäft oder Restaurant weiter über die Runden kommt,
ob die Kitas und Schulen dauerhaft im Regelbetrieb laufen, ob wieder unbeschwerte Treffen in der Familie und im Freundeskreis stattfinden können, ob unsere Kinder diese Krise unbeschadet überstehen werden usw.

Eines steht aber jetzt schon fest: Es wird viele Verlierer geben.

In dieser schweren Krise sind es in der Hauptsache Frauen, die gleichzeitig die Arbeit im Home-Office, Kinderbetreuung  und zusätzlich Home-Schooling schaffen mussten. Viele Familien fallen unfreiwillig in alte, lang überholte Rollenmuster zurück: Der Mann geht arbeiten und die Frau regelt alles zu Hause. Der immer noch große Unterschied  in der Bezahlung von Männern und Frauen läßt gar keine andere Wahl zu. Ob das nach überstandener Corona-Krise wieder anders wird, darüber streiten zur Zeit die Fachleute.

Da werden wir alle, als Gesellschaft und als Politik, genau hinschauen müssen, weil dieses Thema uns alle jetzt und auch in Zukunft betreffen wird.

Besonders benachteiligt sind in dieser Zeit die alleinerziehenden Elternteile, deren Großteil immer noch die Frauen ausmachen.
Wenn sie nicht in sog. systemrelevanten Berufen arbeiten, konnten sie ihre Kinder nicht in die Notbetreuung geben. Sie konnten aber auch nicht arbeiten gehen, da coronabedingt niemand für die Kinderbetreuung zur Verfügung stand. Sie mussten alles ganz alleine stemmen und in vielen Fällen noch mit weniger Geld auskommen. Die physische und psychische Belastung wird immer größer, Burnout ist eine von vielen Folgen, die noch lange nachwirken werden.

Unsere gemeinsame solidarische Hoffnung ist, dass wir alle diese Krise überstehen und unser Leben bald wieder in gewohnten Bahnen verläuft.